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Vom Ende als Anfang

Was die Raupe "Ende der Welt" nennt, nennt der Rest der Welt "Schmetterling".
Lao Tse

Damit sich der Schmetterling zu diesem wunderschönen, zarten und farbenfrohen Sinnbild für Leichtigkeit entwickeln kann, muss er vorher ein paar andere Stadien durchlaufen: zunächst als Ei - noch nicht manövrierfähig, bleibt das Ei auf dem Platz, wo es abgelegt wurde.


Diese Phase lässt sich gut mit unserer Kindheit und Jugendzeit vergleichen. Wir sind weitestgehend abhängig von unserem Umfeld und treffen viele unserer Entscheidungen noch nicht selbst. Unser Leben erscheint relativ "übersichtlich", bis wir ins Erwachsenenleben schlüpfen.


Daraus schlüpft dann die Raupe, im Vergleich zum Schmetterling immer noch ein recht „bodenständiges“ Tier. Immerhin kriecht sie schon fröhlich von Ast zu Ast. Die Raupe häutet sich mehrmals, bevor sie ihre endgültige Größe erreicht hat – dazu schwillt sie an, bis die Haut platzt und durch Muskelbewegungen abgestreift werden kann wie ein Kleidungsstück.


Ein schönes Sinnbild für unser "alltägliches Leben". Wir haben uns ganz gut arrangiert, gehen unserem Tagwerk nach und klettern dabei von einem Ast zum nächsten. Immer wieder gibt es kleine Veränderungen, die uns unsere Haut abstreifen lassen, aber wir bleiben im großen und ganzen dieselben. Doch eines Tages platzt uns der Kragen, oder irgendein Muster in unserem Leben wird so starr, dass es unsere Lebensqualität einschränkt.


Was nun folgt, er scheint wie ein Rückschritt: Die Raupe verpuppt sich, wird völlig bewegungsunfähig und kann nicht einmal mehr Nahrung aufnehmen. Nach einiger Zeit des Wartens schlüpft jedoch ein wunderschöner Schmetterling ...


Kennen Sie dieses Gefühl der "Verpuppung" aus Krisenzeiten? Wir wissen nicht, was der nächste Schritt ist, haben den Eindruck, festzustecken, nichts geht mehr, so sehr wir es auch versuchen. Und eines Tages, wenn wir lange genug gewartet haben und vielleicht gar nicht damit gerechnet haben, finden wir in unsere neue Form und entfalten unsere Flügel.


Was haben Raupen und Schmetterlinge mit unseren Lebensphasen zu tun?
Und wie können wir die Erkenntnisse aus dem Reich der Schmetterlinge für uns nützen?


Zum Werden des Schmetterlings hat es die Raupe und das Ei gebraucht. Es wäre nicht möglich gewesen, eines der Stadien zu überspringen. So sehr wir uns manchmal auch bemühen, uns selbst zu überholen - jede Entwicklungsstufe trägt den Keim für die nächste in sich, ohne die sich unser volles Potential nicht entfalten kann.